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Wie lernen wir eigentlich?

Wenn wir uns entscheiden etwas zu tun (Handlungsplan), dann handeln wir (Ausführung). Am Ende der Handlung steht ein Ergebnis (Handlungsergebnis). Wenn wir ein Ergebnis haben, können wir beurteilen, ob unser Vorhaben gelungen ist; ja oder nein; Erfolg oder Misserfolg; links oder rechts. Wenn wir Dinge zum ersten Mal tun, z.B. Kochen, Handwerkern oder eben Golfen, dann gelingen diese Dinge in der Regel nicht auf Anhieb.

Schauen wir uns beispielsweise ein Kind an, das zum ersten Mal probiert sein Fahrrad ohne Stützräder zu fahren. Nach zwei Metern kippt das Fahrrad nach links, das Kind fällt auf den Boden und schürft sich ein Knie auf. Mit ein bisschen Blut am Knie und die Tränen zurückhaltend fragt sich das Kind nun nicht nach der Wirkung der Zentrifugalkraft und dem Moment in dem es das Gleichgewicht verloren hat. Es fragt auch nicht nach dem richtigen Winkel, den es hätte halten müssen, um der Erdanziehungskraft nicht so viel Angriffsfläche zu bieten. Es analysiert nicht, wie es beim nächsten Versuch den Körperschwerpunkt besser über dem Zentrum des Sattels halten solle, um sicher zugehen, dass es in Zukunft nie wieder hinfalle. Aber genau das ist es, was Golfer machen, wenn Ihnen ein Schlag misslingt. Was können wir also von diesem Kind lernen?

Schauen wir uns einfach an, was das Kind als nächstes macht: es steht zügig auf, packt das Fahrrad und steigt wieder auf. Trotz blutigem Knie und kleinen Kullertränen auf den Wagen, probiert es erneut zu fahren. Keine zwei Meter weiter fällt es nun zur anderen Seite. Mit jetzt zwei blutigen Knien, springt es erneut auf sein Fahrrad und probiert es auf ein Neues. Es probiert und probiert solange bis zurück ins Haus läuft, seine Eltern ruft und sie bittet nach draußen zu kommen, um ihm zu zuschauen, wie es, völlig ohne Hilfe, die Auffahrt herauf und herunter fahren kann.

Diese Geschichte zeigt uns, dass es sich hier nicht um das Scheitern beim Lernen handelt sondern, dass Lernen wiederholtes Scheitern ist.

Der Lerneffekt entsteht bei dem Versuch ein Problem zu lösen, als Folge davon ein Ergebnis zu erzielen, Rückschlüsse aus diesem Ergebnis ziehen, die Handlung modifizieren und mittels eines neuen Versuches ein besseres bzw. anderes Ergebnis zu bekommen. Auf gut deutsch: Probieren, scheitern, daraus lernen, etwas ändern und es noch mal probieren.

Jeder weiß das, es ist nichts Neues. Es ist auch keine Weltraumforschung notwendig, um zu dieser Erkenntnis zu kommen. Die meisten Menschen machen genau das den ganzen Tag – bei ihrer täglichen Arbeit.

Aber im Golfunterricht ist diese Erkenntnis nicht besonders weit verbreitet. Im heutzutage üblichen Golfunterricht wird in der Regel auf jeden Fehlschlag mit einer Fehleranalyse reagiert, daraus resultieren eine – hoffentlich - sinnvolle Korrektur und ein erneuter Versuch. Diese Vorgehensweise führt automatisch zu einer Fehlervermeidungsstrategie, denn vorderstes Ziel bei dieser Vorgehensweise ist es, den eben gemachten und analysierten Fehler nicht zu wiederholen. Die landläufige Meinung hierzu ist sogar, dass wenn man das lange genug macht und oft genug wiederholt, sich die gewünschte Verbesserung einstellt.

Fehlervermeidung und Golf spielen vertragen sich aber nicht. Denn Golf ist ein Spiel der Misserfolge. Niemandem gelingt jeder Schlag perfekt. Selbst die besten Spieler der Welt schieben kurze Putts vorbei oder scheitern bei einfachen Grün- und Annäherungsschlägen. Es ist deswegen wichtig – auch beim Training – eine andere Vorgehensweise bzw. eine Art zu Lernen zu wählen.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, zu verstehen, dass man bereit sein muss, Fehler zu machen und erkennt, dass man immer Fehler machen wird, denn das ist der einzige Weg sich zu verbessern.

Wenn man mit dieser Erkenntnis auf den Golfplatz geht, reduziert sich der Druck, das Spielen macht mehr Spaß und ein kontinuierlicher Lernprozess kann in Gang gesetzt werden.

Hier ein Beispiel aus der Praxis:
Sie gehen auf die Range und treffen den Ball gut, anschließend gehen sie auf den Platz und spielen furchtbar. Nichts will gelingen, schon gleich nicht so wie vorher auf der Range. Was ist passiert? Ganz einfach, die Fehlschläge auf der Range (die sie trotz überwiegend guter Treffer zweifelsohne gehabt haben) haben sie nicht als Scheitern wahrgenommen, denn diese Schläge hatten ja keine Konsequenz. Sie haben einfach einen neuen Ball aus dem Korb genommen und geschlagen. Jetzt auf dem Golfplatz aber entsteht, beginnend mit dem ersten schlechten Schlag, ein Teufelskreis, der ihre Zweifel von Schlag zu Schlag anwachsen lässt. Denn nun haben die Schläge eine Konsequenz. Jeder Schlag zählt, jeder Schlag wird von den Mitspielern beobachtet und jeder Ball muss gespielt werden wie er liegt. Eine negative Grundstimmung macht sich breit. Die Fehlervermeidungsstrategie wird für den Rest der Runde zum Leitmotiv und stört so den Lernprozess. Eine Entwicklung und Verbesserung des eigenen Spiels ist so nicht möglich – und außerdem macht Golf spielen so auch keinen Spaß.

Verbessern Sie Ihr Spiel indem Sie verstehen wie ‚motorisches’ Lernen funktioniert und wie positives Denken und das Zulassen von Fehlern Ihnen dabei hilft einfach und fast mühelos besser zu werden.

Ihr Oliver Neumann

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